Impulsgeber & Vorbilder oder über das Vergolden & Marmorieren

Collage Alpha&Omega

Oft werde ich ja gefragt, wie ich zur Malerei kam oder dazu bestimmte Techniken zu benutzen und Ideen aufzugreifen. Besonders oft werde ich in diesem Zusammenhang dann gefragt, wie ich überhaupt dazu kam Bilder zu vergolden, hier bewusst Schlagmetalle und Blattgold zu verwenden, wo ich das gelernt habe und wieso mich Strukturen interessieren.

Selbst wenn ich natürlich Ideengeber und Vorbilder wie Monet, Van Gogh, Rodin, Renoir und Co. gehabt habe und ohnehin ein grosser Fan der Ikonologie bin, so muss ich doch gestehen, dass ich meine Liebe zu Gold, dem mühsamen und geduldfördernden Vergolden von meinem Vater geerbt habe.

Gold ist für mich eine Farbe, die ich neben Weiß mit Sicherheit am meisten verbrauche und verwende. Der Konsum ist enorm. Es kam mir nie wirklich in den Sinn, wieso ich das tat oder warum mich diese Farbe so magisch anzog. Nach und nach muss ich feststellen, dass es Erinnerungen sind. An Zeiten, in denen mein Vater selbst Truhen herstellte, sie marmorierte und wundervolle Oberflächen erzeugte, die in Beigetönen mit scheinbaren Goldfäden durchzogen wirkten. Oder wie er Goldschnitte an Büchern fertigte oder aber auch Rahmen von Bildern oder Spiegeln professionell vergoldete. Nun war dies auch irgendwie Teil seiner Arbeit als Restaurator und sahen meine neugierigen Kinderaugen sicherlich häufig genug, wie er bestimmte Kunstwerke fertigte.

Überhaupt war die Bandbreite seiner künstlerischen Fähigkeiten enorm. So malte er in frühen Jahren gerne mit Öl und kopierte dabei verschiedene Künstler wie beispielsweise Modigliani. Er zeichnete auch ausnehmend gut, insbesondere perspektivische Zeichungen von Strassenszenen oder Häuserfronten, die außerhalb meiner Fähigkeiten von räumlichen Denken lagen. Gleichwohl fertigte er aber eben auch mit Lötkolben wunderbare Ornamente auf Holz und Leder, erschuf wirklich schöne Möbel, die Unikate darstellten und zeigte hier sein künstlerisches Können und die Bandbreite seiner Fähigkeiten in einer mir in der Erinnerung vorschwebenden spielerischen Leichtigkeit. Leicht war davon aber gewiss einiges so überhaupt nicht.

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Venedig, Öl auf Holztafel von Wilfried Wedde

Das Vergolden (und an dieser Stelle danke für den Workshop dazu zur Auffrischung 2014) ist eine Sache, die meinem ungeduldigen Naturell nicht wirklich in die Hand spielt. Doch ist es gleichermaßen Übung zur Ruhe und Geduld wie Ausüben eines Handwerks, das zu Kunst wird. Ich schätze das Vergolden sehr und nutze dazu Schlagmetalle ebenso gerne wie echtes Blattgold, alles hat seine Technik, seine Tücken und seine ganz eigene Schönheit. Und ich erinnere das professionelle Vergolderwerkzeug meines Vaters, das er hütet wie seinen Augapfel und das eine tolle Rarität darstellt. Ich habe meine etwas eigene Technik entwickelt zum Vergolden und nutze dazu nicht das übliche Werkzeug, vielmehr habe ich mir dazu meine eigenen Möglichkeiten erschaffen. Doch das Prinzip bleibt gleich und spricht mich nach wie vor an. Aber man braucht eine ruhige Hand und Geduld, damit man das, was man erreichen möchte, auch wirklich umsetzen kann.
Es ist wie im echten Leben, man braucht stets Geduld und stets die Muße, um Schönes wachsen und gedeihen zu lassen.

In diesem Sinne kann ich nur allen Fragenden sagen: Yes, die Liebe zum Vergolden und der Hang zur Strukturbildung, sei es durch Pastosen oder der Marmoriertechnik oder welche Methode ich auch immer verwende, habe ich von meinem Vater und die kreative Ader gleich dazu.

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Ich hoffe, dass dies die Frage also weitgehend beantworten konnte….es lohnt manchmal doch mal in sich zu blicken und zu erinnern, wer einen eigentlich für bestimmte Dinge entzündet hat und hier kann ich schon sagen, dass mein Vater es war, der die Liebe zur Ästhetik, der Kunst und der Umsetzung, insbesondere die Vielfalt all dessen in mir wie einen Samenkorn in die Erde platzierte.

Danke dafür!

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