‚Über uns der Himmel, unter uns das Meer‘ im Kreismuseum Syke

‚Wide Horizons – Weite Horizonte‘ | 6/2021 | 50x150cm | Marmormehl, Pigmente, Ölfarbe auf Leinwand

Eigentlich sollte die Ausstellung mit einer Vernissage am 27.6. um 15h eröffnet werden. Aufgrund der aktuellen Coronabestimmungen im Landkreis Syke ist dies leider immer noch nicht möglich. Die Eröffnungsrede wollte die ehemalige 2. Vorsitzende des Vereins Kunst in der Provinz Frau Carmen Finkenstädt halten.

Natürlich findet die Ausstellung statt und kann bereits ab dem 25.6.2021 in den regulären Öffnungszeiten des Kreismuseums Syke besucht werden. Ich freue mich über regen Besuch 😉

Da die Eröffnungsrede nicht stattfinden wird hat Frau Finkenstädt ein Interview mit mir geführt und das möchte ich hier gerne teilen:

Alle Bilder dieser Ausstellung assoziieren durch ihre fein modulierten Farbtöne, die sich bevorzugt in einem Spektrum von weiß, blau, türkis und warmen Erdfarben bewegen, ein hohes Maß an Ästhetik. Willst du zeigen, wie wunderbar die Schöpfung ist?

Nicht nur. Die Blautöne sind seit 2 Jahren meine bevorzugten Farbbereiche, die ich immer wieder darstelle. Klare, kühle Töne, die sich hier und da mit warmen Farbtönen mischen. Es geht nicht nur um das Äußere und Sichtbare, sondern um meine eigene innere Haltung. Diese spiegelt sich in meinen Werken wider. Wie ich die Natur wahrnehme, mich darin selbst fühle und sehe, was sie in mir auslöst. Es ist also Ausdruck meiner eigenen inneren Prozesse und dem Zusammenspiel zwischen mir selbst als Person und der Natur wie ich sie erlebe, was sie mir gibt, was sie für mich in einem spezifischen Moment bedeutet, den ich einfriere und zu einer Momentaufnahme werden lasse.

Auffällig ist die Verwendung unterschiedlichster Materialien in deinen Bildern. Bis zu zehn verschiedene Materialien verwendest du. Von Ölfarbe über Schellack, Marmormehl und Hartwachs, um nur einige zu nennen. Welche Intention leitet dich dabei?

Die Intention des Auslebens und Experimentierens. Der Versuch gewisse Materialien, die teils aus der Natur stammen zu integrieren und mit ihnen etwas zu materialisieren, was von der Natur selbst inspiriert wurde. Aber alles spielerisch. Ich probiere mich gerne mit kindlicher Neugierde aus.

Wie sind die Bilder dieser Ausstellung entstanden? Direkt unter freiem Himmel oder im Atelier?

Die meisten meiner Werke entstehen im hauseigenen Atelier oder wenn möglich in meinem Garten auf der Terrasse, wo ich in den Wald hineinblicken kann über den Schwimmteich hinweg. Häufig entsteht ein Großteil meiner Werke in meiner jährlichen Auszeit in Schweden, wo ich umgeben von Wäldern und Gewässern eben meist bis zu 5 Wochen Zeit habe, um Werke entstehen zu lassen. Die hier gezeigten Bilder der Ausstellung sind meist nach Urlauben entstanden oder direkt in Schweden selbst. Die aktuellsten unter ihnen in meinem Atelier und im Atelier des Kunsthauses Stove an der Ostsee, wo ich in diesem Jahr für 3 Wochen malen durfte im Februar anlässlich des alternativen Kunstpreises, den ich erhalten hatte.

Unverkennbar ist eine dir ganz eigene Bildsprache beziehungsweise Formensprache, die ihren praktischen Ausdruck in nicht gegenständlicher Malerei findet, wie dies auch bei den hier gezeigten Werken deutlich wird. Hast du schon immer abstrakt gemalt oder gab es auch Phasen bei denen die naturnahe Abbildung im Vordergrund stand?

Ich habe schon sehr früh angefangen zu zeichnen und zu malen. Seit meiner Jugend habe ich immer wieder Kurse belegt, die sich mit den verschiedenen Maltechniken beschäftigt haben. Zunächst habe ich das Zeichnen gelernt. Danach dann Aquarellieren und anschließend die natürliche Wiedergabe von Landschaften, Pflanzen, Gebäuden usw. mithilfe von Acryl, Gouache und anderen Farbmaterialien. Je mehr ich lernte und je mehr Lehrer:innen ich begegnete wurde ich hingeführt zu abstrahierter Malerei. Sie begann damit, dass man immer noch Horizonte, sichtbare Linien und Formen erkennen konnte und bewegte sich dann immer weiter weg davon und reduzierte sich nach und nach. Inzwischen kombiniere ich jedoch wieder mehr und gehe auch schon mal weg von absolut abstrakter Malerei hin zu einer, in der man ggf. doch Horizonte, Formen und Strukturen erkennen kann, die einen Wiedererkennungswert haben könnten. In den 1990er Jahren bis hin zu den frühen 2000ern habe ich gegenständlich gemalt und mich auch vollständig darauf konzentriert. Ab 2008 in etwa habe ich mich auf die abstrakte Malerei eingelassen und seit 2015 vor allem auf Landschaftsmalerei mit Pastosen und Strukturmaterialen spezialisiert, welche ich mit Beizen, Ölfarben, Pigmenten und Schellack weiter bearbeite.

Wie deiner Vita zu entnehmen ist, galt dein Interesse schon seit deiner frühen Jugend spirituellen Themen. Die Naturbilder „Über uns der Himmel, unter uns das Meer“ lassen Spiritualität als eine dir eigene Kraft nachspüren. Ist das in gewisser Weise ein Katalysator für deine schöpferische Arbeit?

Der Titel ‚Über uns der Himmel, unter uns das Meer‘ ist übernommen von dem Roman von Jojo Moyes. Den Titel fand ich so schön, dass ich ihn für die Ausstellung geliehen habe. Da sich die meisten meiner Werke mit der Natur, mit Inseln und allgemein Landschaften beschäftigen und wie ich mich selbst als Mensch darin wahrnehme, kann ich nur sagen, dass ich eine tiefe Liebe zu Natur hege. Ich sehe jedes Wesen als spirituell an, verbunden mit allem was ist. Mit der Natur und allen Lebewesen.  Diese grundsätzliche Haltung ist mitunter eben auch ein Antrieb, aber im Grunde geht es doch um eine Ausdrucksform, die Kunst jedweder Art ja stets darstellt. Und wie in/bei jeder Kunstrichtung geht es auch um den Ausdruck des eigenen Seins des Künstlers/ der Künstlerin, des Denkens und Fühlens.  Man kann also sagen, ich ahme die Natur in gewisser Weise nach und möchte mir etwas von ihrem Zauber auf eine Leinwand ‚holen‘ und somit in meine Wohnumgebung mitnehmen.

Grundsätzlich denke ich dass jede Kunstrichtung spirituelle Aspekte in sich vereint, verankert und transportiert.

‚Sithonia‘ 2019 | 60x80cm

8 Comments

  1. Deine „weiten Horizonte“ sind großartig und spiegeln den Titel der Ausstellung perfekt wider. Die Farben sind wundervoll – sehr erfrischend diese Blau- und Türkisschattierungen an diesen heißen Sommertagen, die wir gerade erleben. Ich wünsche Dir und der Ausstellung viel Erfolg und sende herzliche Sommergrüße nach Syke!

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  2. Schade, Manuela, dass die Vernissage (noch) nicht geht. Vielleicht gibt es ja eine Midi- oder Finissage?
    So lässt Du uns hier teilhaben an den Fragen und plauderst „aus dem Nähkästchen“.
    Gute Sommerzeit und schöne Grüße
    Bernd

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